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Verantwortung Lebensraum

Naturschutz beginnt vor unserer Haustür

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Naturschutz beginnt vor unserer Haustür

Was brauchen Vögel zum Leben? Warum sind Insekten wichtig? Wie entsteht ein Lebensraum, in dem sich Tiere wohlfühlen? Und was können Kinder selbst dazu beitragen?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Obervintl im Rahmen des Projektes „Verantwortung Lebensraum – für unsere heimischen Vögel“.

Initiiert, konzipiert und fachlich begleitet wurde das Projekt von Simone Lechner, akademische Jagdwirtin, pädagogische Lernberaterin, Absolventin eines Studiums der Ethik mit den Schwerpunkten Tier- und Umweltethik sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von De Pace Fidei. Einen wichtigen Impuls lieferte dabei die Initiative „Naturschutz vor unserer Haustür“ der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen im Rahmen von De Pace Fidei.

Ziel des Projektes war es, Kindern die heimische Vogelwelt näherzubringen und ihnen zu zeigen, dass Naturschutz nicht irgendwo anders beginnt, sondern direkt vor der eigenen Haustür.

Die Natur entdecken

Zu Beginn lernten die Schülerinnen und Schüler verschiedene heimische Vogelarten kennen. Mithilfe von Vogelpräparaten konnten sie Merkmale, Lebensweisen und Besonderheiten der einzelnen Arten aus nächster Nähe betrachten.

Durch wildpädagogische Spiele und praktische Übungen erfuhren die Kinder auf spielerische Weise, wie Tiere ihren Lebensraum wahrnehmen und welche Bedeutung intakte Ökosysteme für das Zusammenleben von Pflanzen, Insekten und Vögeln haben.

Dabei wurde die Natur selbst zum Klassenzimmer. Die Kinder beobachteten, stellten Fragen, sammelten Erfahrungen und entdeckten die Vielfalt des Lebens in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Forschen wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes war das bioakustische Monitoring. Mithilfe spezieller Aufnahmegeräte wurden Vogelstimmen aufgezeichnet und ausgewertet.

Die Schülerinnen und Schüler erhielten dadurch einen Einblick in moderne wissenschaftliche Methoden und lernten, wie Arten nachgewiesen und Biodiversität dokumentiert werden kann.

Die Ergebnisse des Monitorings werden auf der Webseite der Schule veröffentlicht und stehen damit auch Eltern, Interessierten sowie Besucherinnen und Besuchern des ELFENWEGES zur Verfügung.

Lebensräume schaffen

Naturschutz bedeutet nicht nur beobachten und lernen, sondern auch handeln.

Deshalb gestalteten die Kinder selbst Lebensräume für Tiere. Entlang des ELFENWEGES pflanzten sie heimische Gehölze wie Pfaffenhut, Schlehe, roten Hartriegel, Holunder, Vogelbeere und Kornelkirsche.

Diese Sträucher bieten Vögeln Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten. Gleichzeitig fördern sie die Insektenvielfalt, da ihre Blüten Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und vielen weiteren Insekten als wichtige Nahrungsquelle dienen.

Zusätzlich stellten die Schülerinnen und Schüler Winterfutter für Vögel her und bauten Insektenhotels für Wildbienen. Dabei konnten sie erleben, wie vielfältig Lebensraumschutz sein kann und wie eng die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten miteinander verbunden sind.

Nistkästen für die Vogelwelt

Ein besonderes Highlight war der Bau von Nistkästen für heimische Vogelarten.

Mit großer Begeisterung fertigten die Kinder ihre eigenen Nistkästen an. Jeder Nistkasten erhielt eine eigene Nummer und kann dadurch über längere Zeit begleitet werden.

Gemeinsam mit den Jagdaufsehern und dem Kolkraben Runar wurden die Nistkästen anschließend entlang des ELFENWEGES aufgehängt. Dabei lernten die Schülerinnen und Schüler, welche Ansprüche verschiedene Vogelarten an ihren Lebensraum stellen und warum geeignete Brutplätze für viele Arten heute besonders wichtig sind.

Im Herbst werden die Kinder Einblicke in die entstandenen Nester erhalten und erfahren, ob die Nistkästen angenommen wurden und welche Vogelarten sie genutzt haben.

Runar begeistert für die Vogelwelt

Ein besonderer Begleiter des Projektes war der Kolkrabe Runar.

Die Begegnung mit diesem faszinierenden Vogel weckte bei vielen Kindern Staunen, Neugier und Interesse. Runar ermöglichte einen unmittelbaren Zugang zur Vogelwelt und machte deutlich, dass Tiere nicht nur Unterrichtsinhalt sind, sondern lebendige Mitgeschöpfe, denen wir mit Respekt begegnen sollten.

Der ELFENWEG als Lern- und Lebensraum

Der Naturlehrpfad ELFENWEG wurde im Laufe des Projektes zu einem lebendigen Lernort.

Entlang des Weges befinden sich die von den Kindern gebauten Nistkästen sowie die gepflanzten Gehölze. Die Schülerinnen und Schüler haben damit sichtbare Spuren hinterlassen, die auch in Zukunft Lebensraum für zahlreiche Tierarten bieten werden.

Gemeinsam mit der Tourismusgenossenschaft Gitschberg Jochtal wird eine neue Schautafel gestaltet. Über einen QR-Code gelangen Besucherinnen und Besucher direkt auf die Webseite der Schule und können dort die Ergebnisse des bioakustischen Monitorings abrufen. So werden die Arbeit der Kinder und die Vielfalt der heimischen Vogelwelt auch für Einheimische und Gäste sichtbar.

Für die Station „Die Stimmen des Waldes“ am Elfenweg wurde inzwischen eine eigene Webseite erstellt. Dort können Besucherinnen und Besucher die Vogelstimmen der im Projekt erfassten Arten anhören und zusätzliche Informationen zu den einzelnen Vogelarten abrufen.

Link: Die Stimmen des Waldes — Elfenweg Obervintl

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Das Projekt wurde an der Grundschule Obervintl umgesetzt und durch die Zusammenarbeit verschiedener Partner ermöglicht.

Der Südtiroler Jagdverband unterstützte das Projekt finanziell und brachte seine Erfahrungen im Bereich Lebensraumschutz und Artenvielfalt ein. Die Tourismusgenossenschaft Gitschberg Jochtal gestaltet die neue Schautafel am ELFENWEG.

Die fachliche Konzeption, Koordination und Begleitung des Projektes lag bei Simone Lechner. Unterstützt wurde sie dabei von Wildbiologe Robin Sandford, Wildökologin Birgith Unterthurner, den beteiligten Jagdaufsehern, Vertretern der Forstverwaltung sowie den Grundeigentümern entlang des Projektgebietes.

Die Schülerinnen und Schüler konnten dadurch erleben, wie unterschiedliche Menschen und Institutionen gemeinsam Verantwortung für Natur und Artenvielfalt übernehmen.

Verantwortung für die Zukunft

Das Projekt „Verantwortung Lebensraum – für unsere heimischen Vögel“ hat gezeigt, dass Naturschutz nicht erst bei großen Maßnahmen beginnt. Er beginnt dort, wo Menschen lernen hinzusehen, Zusammenhänge zu verstehen und selbst aktiv zu werden.

Die Kinder haben beobachtet, geforscht, gebaut, gepflanzt und gestaltet. Sie haben erlebt, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirken kann – für Vögel, für Insekten und für die Vielfalt des Lebens vor unserer Haustür.

So wurde aus Lernen gelebte Verantwortung für unseren gemeinsamen Lebensraum.